Vall del Madríu

Wir kehren wieder um, fahren aber nicht sofort wieder nach Les Escaldes. Auf der Straße, die als Touristische Route nach Spanien ausgeschildert ist, parken wir in der Nähe eines Wanderweges. Lass uns für ein paar Stunden das Tal des Riu Madríu besuchen.

im Vall del Madríu (2001)
am Rande des Vall del Madríu 
 im Hintergrund Pic de Carroi

Momentan weiß ich aber nicht genau, welche Besonderheit - außer dem Tal an sich - wir uns als Wanderziel stellen. Es gibt hier so viele Möglichkeiten, sowohl Berge als auch schöne Bergseen. Wir können auf den Pic de la Maiana (2520m) oder wir genießen den herrlichen Blick vom Coll Jovell (1779m) auf das Tal der Hauptstadt. Vielleicht können wir auch zum Estany Forcat oder zum Estany de l´Illa, die in einer Höhe von etwa 2500m ü.N.N. von den Bergen von Gargantillar umgeben werden, wandern. Am besten, wir laufen einfach mal los. Der Aufstieg beginnt sehr steil. Ein recht breiter Waldweg führt hinauf in das Tal - die Ausdrucksweise "hinauf ins Tal" ist zwar etwas merkwürdig, aber sie trifft zu. Der Wald aus Birken, Buchen, Tannen und Kiefern wuchert regelrecht von den verschiedensten Blumen - Himmelschlüssel, Leberblümchen, Erdbeeren, Klee... Hin und wieder huscht eine Eidechse, die von uns beim Sonnenbaden gestört wurde, unter einen Stein oder in das Gras. Weiter oben wird es wirklich etwas flacher. Der Riu Madríu hat sich hier sehr tief in die umgebenden Berge eingeschnitten und damit die Arbeit eines früheren Gletchers fortgesetzt.

im Vall del Riu Madríu (2001)
im  Vall del Madríu 

Einige kleine Felder und sogar ein paar dazu gehörende Bauernhöfe werden von Steinwällen begrenzt. So muss es wohl schon seit Jahrhunderten sein. Wir sind nun an einer Weggabelung angelangt. Nun heißt es, sich entscheiden. Gehen wir doch einfach weiter geradeaus in Richtung Estany de l´Illa. Auf dem Wegweiser steht eine Wanderzeit von 3 1/2 Stunden bis dorthin. Mal sehen, ob wir es schaffen. Irgendwann stehen wir vor einem geöffneten Tor. Anscheinend darf man nicht immer den Wanderweg nutzen. Mir ist aber unklar, warum. Da offen ist, gehen wir einfach weiter.

Riu Madríu (2001)
Ríu  Madríu 

Solche Tore tauchen noch mehrmals auf. Der Flusslauf des Madríu ändert sich ständig. Mal fließt er ganz gemächlich dahin, mal stürzt er sprudelnd die Felsen hinunter. An einer Stelle hat er eine Klamm geschaffen. Ganz wenig Schnee liegt hier noch in schattigen Felsen. Zwei Camper haben etwas abseits des Weges ihr Zelt aufgeschlagen. Immer mehr und größere Schneefelder gibt es, je weiter wir gehen. Nun ist der Weg schon kaum noch zu sehen. Aber es gibt Fußspuren, denen wir folgen können. Offensichtlich ist hier auch jemand mit Schneeschuhen gelaufen. Der Schnee taut sehr stark und ist deshalb auch ziemlich nass. Bei etwa 20°C ist das auch kein Wunder.

Krokus-"Flecken" - Vall del Madríu (2001)
Krokus-"Flecken" - Vall del Madríu 

Nur noch kleine Flächen sind schneefrei. Hier drängen sich die Krokusse dicht an dicht. Halten wir kurz an und schauen wir uns um. Lass uns den Blick auf die mächtigen Berge ein paar Sekunden genießen. (Das Laden kann eine Weile dauern!) Bis zum Refugio Riu del Orris können wir die Schneeschuhspuren noch nutzen, um nicht so sehr einzusinken. Ab hier ist dann Schluss. Die Schutzhütte liegt in 2230m Höhe. Ein bisschen können wir uns ausruhen. Unser Ziel liegt nur noch wenige Kilometer entfernt. Der Schnee ist aber doch schon sehr tief. Bei einem unüberlegten Schritt versinkt man bis zu den Knien.

im Vall del Madríu (2001)
im Vall del Madríu 

Aber wenn man bei jedem Schritt erstmal den Schnee festtritt, geht es schon. Es liegen ja auch eine Menge Felsbrocken rum. Da müssen wir eben wie die Gemsen von Fels zu Fels springen. An einem Hügel ist dann aber endgültig Schluss. Wir müssen leider umkehren. Vielleicht versuchen wir es später noch einmal. Treten wir also in unseren eigenen Fußstapfen den Rückweg an. Das ist aber gar nicht so einfach. Ohne Sonnenbrille wäre es fast unmöglich, etwas zu sehen. Bisher hatten wir die Sonne immer im Rücken. Nun blendet sie uns aber von vorn. Der Schnee reflektiert natürlich unheimlich. Drei Stunden später haben wir die Straße wieder erreicht. Das Auto steht auch noch und wartet auf uns. Nun geht´s wieder weiter.